Ich kenne viele Menschen, die von sich selbst sagen, sie hätten kein Talent. Sie gehen davon aus, dass sie deswegen ihre Ziele nicht erreichen können. Talent gilt für viele als Ausrede, etwas nicht tun zu müssen. Auch können wir durch den Begriff „Talent“ Menschen schnell auf eine höhere, bessere Ebene stellen. Gleichzeitig können wir ihre Erfolge mit Sätzen wie: „Du hast halt einfach von Natur aus Talent und es deswegen viel einfacher“ kleinreden. Wenn du an Talente glaubst, kann dies dein Potential enorm einschränken.

Was ist Talent überhaupt

Für den Begriff Talent gibt es viele schwammige Umschreibungen, wenige Fakten und einige Theorien.

„Talent ist eine bestimmte große Fähigkeit für etwas, die jemand nicht durch Lernen oder Ausbildung erworben hat, sondern bereits von Geburt an besitzt.“

Laut gängigen Informationen setzt Talent bestimmte genetische Komponenten voraus. Ebenso sollen Rahmenbedingungen wie das familiäre Umfeld Einfluss auf Talententwicklung nehmen.
Diejenigen mit Talent haben es angeblich leichter, etwas in einem speziellen Gebiet zu erreichen. Sie seien seit Geburt an besonders musikalisch, sportlich oder intelligent. Menschen ohne Talent sind Durchschnitt und werden niemals so gut sein, wie die besonders begabten Wunderkinder.

Und was, wenn ich kein Talent habe?

Vielleicht liest man schon heraus, was ich von dem Begriff Talent halte. Wie müssen sich junge Menschen fühlen, die vermittelt bekommen, sie hätten kein Talent? Sie müssen ja glauben, dass aus ihnen nichts werden kann. Ich selbst habe mich lange Zeit auch für talentlos gehalten. Mit meinen Freunden habe ich oft darüber Witze gemacht, dass wir alle kein Talent hätten. Wir waren die „Talentlosen“; die, die irgendwie alles können, aber doch nichts richtig. Die, die noch keine Ahnung haben, was aus ihnen werden soll. Wir hatten kein spezielles Talent für irgendetwas. Keiner von uns war ein großartiger Sänger, malte eindrucksvolle Gemälde oder gewann Mathematikwettbewerbe.

Ich war schlecht im Schulsport und in meinen Kunstbildern bekam ich stets eine drei. Auch in den anderen Fächern flogen mir gute Noten nicht einfach zu, ich lernte viel und arbeitete ehrgeizig, um sie zu erreichen. Ich war keineswegs dumm, hatte nie großartige Zweifel an mir. Aber trotzdem hielt ich mich nie für besonders begabt. Wenn man von sich selbst denkt, dass man kein Talent hat, schränkt das einen sehr ein. Ich hielt meine Ziele klein, wagte nicht groß zu träumen und beneidete Menschen mit Talent.

Und ehrlich gesagt, kann man das talentlos sein auch ganz wunderbar ausnutzen, um vieles erst gar nicht zu probieren. Da ich ja eh kein Talent im Sport hatte, ging ich nie freiwillig in einen Sportverein. Viele erklärten ihre sechs in Mathe damit, dass sie ja schließlich kein Talent für den Umgang mit Zahlen hätten. Sie mussten dann auch eigentlich gar nicht erst versuchen, für die Klausur zu lernen.

Kein Talent haben und trotzdem erfolgreich sein

Was, wenn ich dir sage, dass es keine Talente gibt? Es gibt Studien, die genau das aussagen. Lasse dich zumindest kurz auf den Gedanken ein.

Was würdest du tun, wenn es keine Talente gäbe?

Würdest du dich endlich trauen, deine Schauspielausbildung anzufangen? Würdest du neuen Mut fassen, es doch noch einmal mit dem Klavierspielen zu versuchen?

Ich habe einen Artikel gelesen, der mir erneut bestätigt hat, dass Talent kein entscheidener Erfolgsfaktor ist! Der Psychologe Anders Ericsson hat mehrere Jahre Forschung in dem Gebiet investiert und ist der Auffassung, Talent sei nicht genetisch bedingt. Stattdessen sei der Schlüssel zum Erfolg intensives Üben der jeweiligen Disziplin. Studien bewiesen seine Theorien. Durch jahrelanges und konzentriertes Üben entsteht eine besondere „Begabung“, nicht etwa weil Gott es so wollte.

Nach einiger Überlegung macht das auch durchaus Sinn. David Garret spielt seit seinem vierten Lebensjahr Geige. Hier ein Zitat von ihm, als er nach Tipps für junge Musiker gefragt wurde:

„Üben, üben, üben! Am Ende ist der ganz oben, der die eine Stunde mehr im Probenraum verbracht hat. Sorry, aber das ist einfach so.“

Ich könnte dir unzählige Beispiele von erfolgreichen Menschen nennen, die durch unzählige Übungsstunden immer besser und schließlich berühmt wurden. Aber ich denke, du weißt, worauf ich hinauswill.

Um etwas zu erreichen, musst du dich anstrengen. Wenn andere aufgeben, musst du dran bleiben. Übe etwas immer und immer wieder, du wirst besser werden! Das ist eine ganz logische Formel. Gib und dir wird gegeben.

Also brauche ich keinerlei Voraussetzungen, um in etwas erfolgreich zu werden?

Die logische Schlussfolgerung wäre ja nun: Wenn es egal ist, dass ich „kein Talent“ habe, kann ich ja alles werden.
Es gibt schon gewisse Grundvoraussetzungen, die dein Körper mitbringt. Ich bin kein Wissenschaftler, aber hier ein einfaches Beispiel: Mit 150 cm wirst du höchstwahrscheinlich kein Profibasketballer.
Auch nicht jede Stimme klingt besonders angenehm und sollte dazu genutzt werden, andere von deinem Gesang zu überzeugen.

Es gibt auch genug Studien, die bezeugen sollen, dass es doch etwas wie genetische Voraussetzungen für bestimmte Gebiete gibt. Das Thema ist umstritten und lässt Fragen offen. Eins steht jedoch fest: Du kannst in unglaublich vielen Gebieten durch Üben und starken Willen erfolgreich werden. Der entscheidende Faktor sind nicht die Voraussetzungen, sondern was du daraus machst. Sei der Motivierteste, der mit dem größten Willen. Sei derjenige, der immer noch ein bisschen mehr Gas gibt. Der Erfolg fängt immer in unserem Kopf an. Wir müssen daran glauben, dass es möglich ist, der Beste in etwas zu werden.

Talent oder kein Talent – Fazit

Ich möchte dir nicht einreden, dass du mit 40 anfangen kannst von einer miserablen Sängerin zu einem Weltstar zu werden. Natürlich ist es für Erfolg wichtig, früh mit etwas anzufangen und dann jahrelang dranzubleiben. Ich möchte dich nur von dem Glaubenssatz befreien, dass es angeborene Talente gibt und du ohne sie nichts erreichen kannst. Erfolg kommt durch den festen Willen und stetes Üben und Verbessern. Mit Sicherheit gibt es bestimmte Voraussetzungen, die es für einige Menschen leichter machen, gut in etwas zu sein. Aber bloßes „Talent“ bringt dir nichts, wenn du dich nicht anstrengst und es nutzt. Überlege, ob dir schon immer eingeredet wurde, dass du in etwas schlecht bist. Vielleicht bist du gar nicht wirklich schlecht darin, sondern hast es bloß nie richtig geübt. Glaube an dich, deine Fähigkeiten und deine Träume.

Du kannst deine Ziele erreichen.

Was kannst du besonders gut? Glaubst du an Talente? Ich freue mich auf eure Meinung zu dem Thema!