Du siehst, dass morgen Sport auf dem Stundenplan steht und bekommst Panik. In deinem Kopf sammelst du die besten Ausreden, warum du nicht mitmachen musst: Krankheit, Haustier verstorben, Periode bekommen. Du willst alles, nur nicht beim Schulsport mitmachen. Dieses Szenario kennen viele, die schlecht im Sport in der Schule sind oder es einmal waren. Ich habe all das hinter mir und kann mit 21 Jahren heute glücklich feststellen, dass Sport doch gar nicht mal so übel ist. Der Weg dahin war lang und ich musste in meiner Zeit im Schulsport viel einstecken.

Wie es für mich war, schlecht im Schulsport zu sein

Es gibt nicht viele positive Erinnerungen an den Schulsport. In der Grundschule hatte ich eine psychopathische Sportlehrerin, die uns gerne anschrie und quälte. Auch mit einem neuen Lehrer wurde dies nicht viel besser. Jetzt waren nämlich meine Mitschüler dran, mir den Schulsport zur Hölle zu machen. Jeder kennt es und jeder, der schlecht im Sport in der Schule ist hasst es: Teams wählen. Es wählen meist die, die sich für die Besten halten. Und die wählen wiederum die Sportlichsten. Die Zahl der Übriggebliebenen verringert sich. Ich saß da und hoffte inständig, dass sich jemand erbarmen würde, mich zu wählen. Doch wenn erstmal alle Sportlichen gewählt wurden, wurden die Beliebtesten gewählt. Auch zu denen gehörte ich nicht. Ich war nie ein Außenseiter, doch auch nie besonders beliebt. Also saß ich mehr als einmal als Letzte auf der Bank. Du fühlst dich, als seist du es nicht wert, gewählt zu werden. Kleinlaut gesellst du dich zu deinem Team.

Der große Spielspaß – Angst vor dem Schulsport

Dann fängt der Spaß jedoch erstmal richtig an. Seit ich denken kann, habe ich Angst vor herumfliegenden Bällen. Wie gut, dass fast jede Disziplin im Schulsport herumfliegende Bälle beinhaltet. Bei Völkerball, war ich also diejenige, die verängstigt vor dem Ball floh. Ich schlug stets die Arme über dem Kopf zusammen und raste wie ein verrückt gewordener Hase durch das Spielfeld. Wurde ich einmal abgeworfen, gab ich mir keine Mühe, wieder ins Spiel zu kommen. Würde ich versuchen, meine Mitspieler abzuwerfen, würden sie den Ball lässlig auffangen und mich nur anlächeln. Während sich meine Mitschüler also bis auf den „Tod“ bekriegten und den Spaß ihres Lebens hatten, zählte ich am Spielfeldrand die Minuten, bis der Schulsport endlich vorbei war.

Einmal in der Grundschule blieb ich als Letzte beim Völkerball im Spielfeld meines Teams übrig (ihr wisst schon, das „Herumrennender Hase-Syndrom“). Einige meiner Mitschüler lachten mich aus, machten sich über meine Art lustig, dem Ball zu entkommen. Später fing ich im Klassenzimmer deswegen an zu weinen. Sie entschuldigten sich. Trotzdem erinnere ich mich heute noch daran.

Von den Bundesjugendspielen muss ich eigentlich gar nicht erst anfangen. Die Blamage vor halb Berlin beim Ballweitwurf den Ball direkt vor meine Füße zu werfen, werde ich nicht vergessen. Für Alle, die schlecht im Sport in der Schule sind, sind die Bundesjugendspiele ein Datum der Angst.

Auf dem Gynmasium spielten wir Badminton. Bei der Prüfungsleistung brach der Sportlehrer meine Prüfung ab, während ich noch dabei war Badminton zu spielen. Er meinte etwas wie: „Ich sehe schon, das reicht. Du kriegst jetzt einfach eine drei.“ Und schaute mich so an, als sei dies eine Wohltat. Mir taten Aufschläge auf dem Unterarm immer sehr weh. Beim Volleyball spielen meinte er zu mir: „Du musst mehr Schokolade essen, damit du dickere Arme bekommst.“ Er wusste nicht, dass mich meine extrem schlanke Figur zu dieser Zeit eh belastete. Einmal bekam ich einen durch die Luft fliegenden Medizinball auf den Kopf geworfen und fiel um. Unsere Lehrerin hatte die grandiose Idee, dass sich zwei Teams doch gegenseitig Medizinbälle zuwerfen sollten. Da lag ich dann auf dem Boden und schloss endgültig mit dem Schulsport ab.

In meinem Kopf stand nun fest, dass Sport einfach nichts für mich ist. Wer schlecht im Sport in der Schule ist, muss es ja wohl auch sonst sein.

Schlecht im Schulsport – Meine Tipps

Heute weiß ich, dass es vollkommen egal ist, ob du schlecht im Schulsport bist oder nicht. Kein einziger Arbeitgeber wird dich jemals fragen, wie deine Sportnote zustande gekommen ist (es sei denn du möchtest etwas mit Sport studieren). Die ganzen „coolen“ und „sportlichen“ Kinder sind heute nichts besseres als ich. Trotzdem würde ich dir nicht empfehlen, aufzugeben und den Sportunterricht zu schwänzen. Nehme dir den Druck aus dem Schulsport. Es gibt viel wichtigere Dinge im Leben, das kannst du mir glauben. Denk daran, dass du schon bald über deine Schulsportzeit lachen kannst. Du musst dich nicht über den Schulsport oder deine Mitschüler definieren. Jeder hat seine Stärken und du kannst alles erreichen, was du möchtest! Auch deine Mitschüler haben Ängste oder Schwächen. Sie zeigen sie vielleicht bloß nicht.

Ich verstehe, wenn du Angst hast! Ich habe vor Prüfungsleistungen oft zu Hause oder in Sporthallen geübt. Dann wusste ich, dass ich mein Bestes gegeben habe. Wenn du die Prüfung dann abgelegt hast, ist dies schon ein Erfolg. Meistens war es dann doch gar nicht so schlimm, wie gedacht. Mit jeder Prüfung, die du hinter dir hast, wird es besser.

Außerdem habe ich mich mit anderen ausgetauscht denen es ähnlich ging. Du bist nicht die einzige Person, die schlecht im Schulsport ist.

Lass dir nicht alles gefallen. Wenn deine Mitschüler sich über dich lustig machen, solltest du dich wehren. Zeig ihnen, dass sie das nicht mit dir machen können. Auch wenn dein Sportlehrer dich unfair behandelt, kannst du dagegen vorgehen. Ich hätte viel öfter sagen sollen, dass ich mich unfair behandelt fühle. Doch pass auf, in welchem Tonfall du mit deinen Lehrern redest – sonst kann es zu Problemen kommen. Ansonsten kannst du dich auch an deinen Vertrauenslehrer wenden.

Nur weil du schlecht im Sport in der Schule bist, bist du nicht unsportlich

Jahrelang dachte ich also, ich sei unsportlich. Bis ich dann meine alten Glaubenssätze hinterfragt habe. Wieso denke ich wohl, dass ich unsportlich bin? Weil ich jahrelang das Gefühl bekommen habe, ich sei es! Ständig habe ich beschämende Situationen erlebt, nur weil ich schlecht im Schulsport war.

Zusätzlich gab es noch andere unsportlichen Menschen in meinem Umfeld, mit denen ich „Sport für Mord“ hielt. Trotzdem probierte ich in meiner Freizeit neue Sportarten aus. Und siehe da: Ich bin gar nicht unsportlich!
Ich hinterfragte also alle meine alten Überzeugungen und stellte fest: Sport tut gut und kann von jedem erlernt werden.
Der Schulsport setzt einen oft so unter Druck, dass man sich gar nicht wirklich verbessern kann. Zudem ist er oft sehr einseitig.

Vielleicht liegen dir Turnen und Ballsportarten nicht, dafür aber Tanzen oder Fitness?
Ich persönlich gehe jetzt total gerne ins Fitnessstudio. Dafür brauchst du kein Talent. Mit der Zeit wirst du ganz automatisch besser, solange du dran bleibst und übst. So ist das in fast jeder Sportart: Üben -> Verbesserung.
Auch du kannst das schaffen! Überwinde deine Blockaden und finde die Sportart, die zu dir passt. Ohne Sport kannst du kein vollkommen gesundes Leben führen. Dein Körper braucht Bewegung! Und vielleicht findest du sogar deine Leidenschaft in einem Sport.

Zum Thema Erfahrungen im Schulsport gibt es übrigens auch eine Blogparade.

Was sind deine Erfahrungen? Warst oder bist du schlecht im Schulsport?